Samstag, 15. Oktober 2016

Canon Pixma MX495 unter Linux Mint verwenden

Leider, und ich muss ausdrücklich beteuern, leider ist mein alter Drucker Brother DCP-145C in die ewigen Jagdgründe abgestiegen. Nach nun siebeneinhalb Jahren hat er mich im Stich gelassen und ließ sich auch nicht mehr zur genügenden Mitarbeit überreden. Und genau deshalb musste dringend und natürlich auf die Schnelle ein neues Gerät auf den Tisch.

Da der neue Drucker auch mit meinen Linux Mint PCs betrieben werden soll und auch noch recht "billig" sein sollte fiel meine Wahl auf den Canon Pixma MX495. Ein 4 in 1 Gerät, also Drucken, Scannen, Kopieren und Faxen ist möglich. Das Fax hab ich aber gar nicht angeschlossen, geschweige denn ausprobiert. Es ist halt am Gerät vorhanden. Bei dem Preisbereich kann man sich nicht so viel aussuchen. 



Zuerst meine Enttäuschung. Das Gerät ist unglaublich laut im Vergleich zum Brother. Ich bin mir sicher, der alte war auch nicht der leiseste Drucker, aber dieser Canon ist deutlich lauter! Ebenfalls kann ich die Rezensenten auf Amaz... nicht verstehen, die meinen, das Gerät wäre schön kompakt. Er nimmt genau soviel Platz auf meinem Tisch ein, wie der alte, denn die Klappe für die Papiereinführung ist in der Regel offen, da ich hier ja (oh Wunder) Papier drin liegen habe. Ganz zu Schweigen von der Bauarthöhe. Das war beim Brother viel schöner gelöst. Auch gibt es keinen USB-Anschluss, an welchen man direkt auf Stick scannen bzw. vom Stick ausdrucken könnte. Man kann direkt am Gerät auf den Rechner scannen, aber das funzt nur unter Windows bei mir. Macht für mich eh keinen Sinn, denn wenn der PC schon an ist, kann man auch vom PC aus scannen. Das vorhandene LCD Display (ohne Beleuchtung) ist wirklich schlecht abzulesen. Scheinbar darf man für den geringen Gerätepreis nicht zu viel erwarten.

Nun meine Begeisterung. Dass das Gerät auch unter Linux gut funktioniert finde ich toll. Die Geräteinstallation war hier viel einfacher als unter Windows. Man lädt sich einfach vom Hersteller die zwei entsprechenden Treiber Pakete herunter, entpackt diese und startet das jeweilige Installationsscript - fertig. Schon kann man drucken und scannen. Und das Beste, natürlich über Wlan! Das Gerät könnte also dezentral aufgestellt werden und ist von jedem PC im Netzwerk erreichbar.

Nun kurz zur Treiber-Installation unter Linux Mint. Ich habe es unter Mint 18 KDE, sowie unter Mint 17 MATE erfolgreich ausprobiert. 
Zuerst einmal muss man die ganzen Konfigurationsschritte der beiliegenden Bedienungsanleitung hinter sich bringen, damit der Drucker mit dem eigenen Netzwerk verbunden wird. Das stellt wohl die größte Herausforderung dar, da die Anleitung ala Kinderüberraschungsei gestaltet ist. Sehr wenig Text aber viele Bilder bringen einen irgendwann doch ans Ziel, wenn man herausgefunden hat, wie man z.B. am Drucker von Buchstaben auf Zahleneingabe umstellt, um das Wlanpasswort eingeben zu können. Es ist nämlich die unscheinbare Taste mit dem *, welches dieses Ereignis auslöst. Das erfährt man aber erst im digitalen bzw. Online- Handbuch, was natürlich erst nach der Installationsanleitung 2 sichtbar wird (zumindest unter Windoof). Also dies als Tipp am Rande.

Nun lädt man sich die zwei Installationspakete von Canon runter. Man wählt erst das entsprechende Betriebssystem aus und bekommt dort alle verfügbaren Treiberpakete angezeigt. In meinem Falle wählte ich Linux 64Bit. Man benötigt das Paket LINUX IJ SCANNER DRIVER und LINUX IJ PRINTER DRIVER. Man bekommt zwei gepackte Archive mit der Dateiendung .tar.gz (übliches Archivformat unter Linux). Diese kann man mit dem Archivmanager öffnen, indem man die jeweilige Datei an/dopplklickt. Nun entpackt man die zwei Pakete in ein Verzeichnis seiner Wahl. Bei mir liegen sie im Downloadordner, da ich am Pfad nix geändert habe. Danach öffnet man ein Terminalfenster und gibt die folgenden Befehle, gefolgt von der Eingabetaste, ein:
cd Downloads
cd cnijfilter2-5.10-1-deb
sudo ./install.sh
Das eigene Benutzerpassort muss man wie immer blind eingeben. Nun startet das Installationsscript und führt durch die Installation mit anschließenden Fragen. Als erstes soll man den Drucker einschalten bzw. mit dem Netzwerk verbinden, was ja bereits nach der beiliegenden Canon Installations-Kurzanleitung Teil 1 erfolgte, und danach mit Enter bestätigen. Nun soll man die Verbindungsart aussuchen und für Netzwerk wählt man die Nummer 2. Anschließend sucht und findet das Programm entsprechend den vorhandenen Drucker. Diesen soll man ebenfalls auswählen, Standard ist die Nummer 1. Nach diesem Schritt kann man den Druckernamen anpassen, oder den vorgeschlagenen wählen. Die letzte Frage bezieht sich darauf, ob der neue Drucker der Standard-Drucker sein soll. Das wars auch schon, der Drucker wurde ins System eingebunden.

Die Scannerinstallation verläuft noch einfacher. Im Terminal einfach die folgenden Befehle ausführen:
cd Downloads
cd scangearmp2-3.10-1-deb
sudo ./install.sh
Das Programm Scangearmp2 wird installiert. Über den Befehl scangearmp2 kann man das Programm danach starten. Beim ersten Mal beschwert sich das Programm natürlich das kein Scanner vorhanden sei, aber mit der anschließenden Suche findet scangearmp2 den Netzwerk- bzw. USB- Scanner.
Nun kann man über das Programm scannen.
Hier geht Canon scheinbar einen eigenen Weg. Zumindest wird bei mir der Scanner im vorhandenen Linuxtool Simple Scan nicht erkannt. Kann aber auch sein, das es an der Verbindung liegt. Wie gesagt bei mir funktioniert der Drucker und Scanner über Wlan und nicht über ein USB Kabel.Scheinbar kommt Simple Scan damit nicht zurecht. Ob und wie es sich mit Xsane verhält habe ich nicht getestet. Nachteilig an scangearmp2 ist, dass man die Einstellungen nicht ausgiebig beeinflussen kann. Also DPI Zahl oder eine variable Größe ist nicht wählbar. Nur die vorhandenen, vorgefertigten Einstellungen kann man nutzen. Wer die genaue Installationsanleitung möchte bedient sich ebenfalls auf der Canon Seite. Leider nur in Englisch, aber dafür ausführlich. Zur Vereinfachung kann man sich selbstverständlich einen eigenen Anwendungsstarter für scangearmp2 auf den Desktop, oder in die Leiste legen. Damit entfällt der Start des Programms über das Terminal, welches der Bequemlichkeit dienen soll.
Und nun viel Spaß.

1 Kommentar:

  1. Super beschrieben, hat bei mir unter "Serena" genauso mit allen Einschränkungen (Simple Scan usw.) funktioniert. Ich bedanke mich für deinen Beitrag.

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