Samstag, 27. Juni 2026

B.C. Rich Tremolo broken / shattered - Ersatz für defektes Tremolo selbst anfertigen und reparieren, so geht's!

Wer kennt noch die B.C. Rich E-Gitarren aus den 70'er / 80'er / 90'er Jahren? Erinnerungen an alte Heavy Metal Zeiten, wo doch jeder am liebsten selbst in einer Band spielen wollte?

Genau um eine dieser alten Gitarren soll es in diesem Beitrag gehen, um die Warlock Platinum. Naja, eigentlich eher um das verbaute Bendmaster Tremolo (ob das wirklich so heißt weiß ich nicht genau, so hab ich es jedenfalls irgendwo im Netz gesehen). Dieses Teil kann man meiner Recherche nach nicht mehr (neu) erwerben. Neuere Gitarren-Modelle setzen auf das Floyd Rose, was wahrscheinlich besser, stabiler, keine Ahnung was sonst noch ist. Doch was ist mit den 30 Jahre alten Teilen? Das erwähnte Bendmaster Tremolo scheint sich nämlich regelmäßig aufzulösen und zerfällt bzw. zerbröckelt in viele kleine Stückchen. Es sind wahrscheinlich noch andere Modelle von dem "Zerfall" betroffen, so wie beispielhaft in diesem Beitrag oder diesem Beitrag zu lesen.  

Es geht um dieses Schadensbild, dass der Tremolo-Block einfach zerbröckelt. 

Der Zahn der Zeit!

Die drei Befestigungsschrauben können so nicht mehr halten.
Ein M 9 x 1 Gewinde für die Hülse des "Jammerhaken" ist da drin.
Warum man die Wandstärke an den kritischen Bereichen nicht etwas dicker hätte machen können? 
 

Wo bekommt man heutzutage Ersatz für so etwas her? Früher konnte man auf Ebay oder anderen Plattformen noch intakte Teile ordern, aber die Zeiten scheinen vorbei zu sein. Wer viel Geld, Geschick und die Möglichkeiten hat, der bewegt die ein oder andere CNC-Maschine und hält einen (zu teuren) Nachbau in seinen Händen.

Meine Idee war sofort der 3D Druck! Mit solchem Verfahren kann man sich heute fast alles reproduzieren. Der Aufwand, im Vergleich zur CNC-Bearbeitung, von diesem, doch schon recht komplexen Teil, ist relativ gering und hat man erst das STL-Modell dessen zur Hand, so kann man auch zur Tat schreiten. So war die Idee geboren und darauf folgt die praktische Umsetzung von mir.

Mittels der Software Becker CAD 15 3D Pro fertigte ich Zeichnung und Modell nach dem vorliegenden, defekten Tremolo an. Ich kann nicht für die 100%ige Maßhaltigkeit garantieren, aber dieses 3D Modell passte jedenfalls in die E-Gitarre und diente letztendlich als Vorlage für den SLM-Druck. 

Hier sind nicht alle Maße angegeben, dies sprengt die Übersichtlichkeit.

M3 Gewinde hier ...

... und da ...

... und dort und das M9x1 natürlich.

Wie man sieht, hat mein Modell einen kleinen Elefantenfuß. Dieser ist vom FDM-Drucker verursacht. Das Material ist einfaches PLA. Weil ich das Modell hochkant ausdruckte, wurde entsprechend Stützstruktur aufgebaut, schaut es etwas unsauber aus. Das Entfernen ist nicht so leicht, wie man es gern hätte. Mit Spitzzange und kleinem Schraubendreher aber machbar.   

Die Führungsstange muss in die 2mm Nut.

Aussparungen passen.

Andere Perspektive.

Auch die Plastikhülse passt in das Loch.

Zusammengebaut in der Gitarre schaut es wie nachfolgend aus. Es scheint wirklich hineinzupassen. 

Die Federn auf der Rückseite ziehen ganz schön stramm am Modell.
Sieht wieder aus wie ORIGINAL.
Probehalber eine Seite durchgeführt, passt.

Theoretisch könnte man das Instrument jetzt schon benutzen, doch ob das Plastikteil lange hält? Jedenfalls scheint mein 3D Modell gut zu sein. Sozusagen bereit für die Fertigung. Und deshalb hab ich das Ganze nun in Metall drucken lassen. Einen lieben Dank an das chinesische Unternehmen JLC3DP, welches mir die kostengünstige Fertigung ermöglichte. (Klingt als ob mir das gesponsert wurde, dem ist aber nicht so. Musste ich selbst bezahlen.) Neben der Prüfung auf Druckbarkeit war die Produktion und der Versand unglaublich schnell und weit unter den angegebenen Tagen. Quasi am 24.04. ging das Teil zur Fertigung und wurde am 29.04. versendet. Am Montag, den 04.05. hielt ich das Produkt nachmittags in meinen Händen. Großartig, so muss das sein. Steuern usw. werden bei der Versandart DHL Express gleich mit abgezogen. Man muss also nicht noch extra zum Zoll.   

Links das Original und rechts die Täuschung. 

Draufsicht, in dieser Position wurde das Teil gedruckt.

Die Kernlochbohrungen konnte ich nicht auf passendes Maß fertigen lassen. Erläuterung dazu unten.

Von der einen Seite, ...

... von unten ...

... und von der anderen Seite.

Die kleinen Löcher, wo die Federn eingehakt werden.

Nicht ganz perfekt die 7,9mm Bohrung.

Wie man auf dem einen Bild sieht, ist hier links am Loch eine Vertiefung bzw. Delle entstanden. Wie das genau zu Stande kam, weiß ich nicht, ich vermute aber, dass das Teil von der Bauplattform irgendwie abgeschlagen wird. Vielleicht war es noch zu heiß, so dass dadurch eine Verformung stattfand. Die anderen Kernlöcher für die M3 Gewinde, welche ja eigentlich 2,5mm betragen müssten, konnte ich so nicht fertigen lassen. Beim Upload der STL-Datei wird diese analysiert und man bekommt sofort den Hinweis, wo sich kritische Bereiche befinden, welche nicht die entsprechenden Wandstärken aufweisen. Zur Sicherheit wird hier mindestens 1mm verlangt. Deshalb musste ich mein Modell nach dem Ordern noch zwei Mal etwas anpassen. Ich habe dazu die kleinen Kernlöcher auf 1,5 mm Durchmesser reduziert und zusätzlich unterhalb noch 0,6 mm Material aufgestockt. Man sieht es, wenn man das Bild vergrößert, ganz gut. Die 2 mm Nut ist an den drei Stellen mit den Löchern nur noch 1,4 mm. Das Modell benötigt daher noch etwas Nacharbeit. Mit einer kleinen Feile, oder Dremel, oder sonst was muß man die Nut noch etwas "auffräßen". Des Weiteren müssen die Kernlöcher entsprechend auf 2,5 mm aufgebohrt werden. Das große Loch auf 8 mm. Somit kann man anschließend die Gewinde von Hand und mit Geduld in das Metall schneiden. Viel Schneidöl hilft viel. Für die M3 rate ich zu einem Durchgangsgewindebohrer. Die Lochtiefe sollte mit ca. 15 mm ausreichend tief sein. Die Gewindelänge an sich ist laut original ja bloß 6 mm. Hier wäre auch schon mein Verbesserungsvorschlag, wenn die Gewinde tiefer wären, z.B. 10 mm, würde das zusätzliche Stabilität bewirken, wenn auch die Schraubenlängen entsprechend angepasst würden. Ob das nötig wäre wird man in 30 Jahren vielleicht sehen. ;-)  

Das eine Loch auf der Unterseite muss ebenfalls ein M3 werden. Dieses ist nicht ganz so tief und fixiert einen Draht, der mit der kleinen Schraube festgehalten wird. Hier weiß ich leider nicht für was dies genau ist. Ich denke es ist der Draht, den man auf dem Bild mit den Federn sieht, der hier hineingehört. Ich habe die Gitarre leider nicht vor mir und bin auch kein Musiker, der sich damit auskennt. Es ist nur meine Vermutung. 

Gute 130g wiegt das Original.

Das neue Replikat ist ca. 50g schwerer. 

Es ist schon lustig, dass das alte Teil auf exakte 130,00 g zerfallen ist. Das neue jedenfalls ist etwas schwerer. Es handelt sich nämlich um 316L Edelstahl. Durch das Laser-sintern entsteht die leicht raue Oberfläche, die aber nicht stören sollte. 

Die E-Gitarre ist mittlerweile wieder zusammen gebaut, hat neue Saiten bekommen und wurde probehalber mal am Marshall angesteckt und ausprobiert. Die Drehregler müssen noch mehrmals gedreht (wegen Korrosion) und die Saiten richtig gestimmt werden, dann wäre sie Einsatzbereit. Projekt Tremolo für E-Gitarre 2026 ist erfolgreich gelungen und meine Schwester hat mir zum Dank auch gleich ein paar Bilder auf einem A4 Blatt ein laminiert (das Tremolo war ein Geburtstagsgeschenk an sie). Vielen Dank dafür, habe ich gern gemacht.   

Wie das fertige Teil letztendlich ausschaut, sieht man auf dem folgenden Bild. Und was der Nachbau genau kostet ist nicht so einfach zu formulieren. Die Zeit für die Zeichnung, die Nacharbeiten, der 3D Druck - dies sind alles Dinge, die normalerweise mit in den Preis einfließen. Hier muss der Einzelne abwägen, ob es sich lohnt. Der 3D Druck hat jedenfalls unter 60,-€ gekostet, also ein Bruchteil einer CNC Bearbeitung und das inklusive Versand. Ich bin sehr zufrieden und schließe damit das Projekt erfolgreich ab.

Das fertige Tremolo sieht gut aus.

Hier zeigt sich einmal mehr wofür der 3D Druck gut sein kann. Ersatzteile, die längst nicht mehr verfügbar sind, kann man sich relativ kostengünstig nachdrucken lassen. Begrenzt wird das Ganze durch Größe des Bauteils oder Können des Einzelnen in Bezug auf die Erstellung eines solchen 3D Modells. Damit auch andere ihre B.C. Rich Warlock Platinum Serie retten können, gibt es die STL-Datei bei mir im Blog unter den Downloads zum Herunterladen. Wer einfach nur die Saiten aufspannen möchte, kann sich ein Plastikmodell drucken lassen. Wer aber mit der Gitarre die "Riffs klingen lassen"* möchte, der kommt wahrscheinlich um ein Metallteil nicht herum. Die verkraftbare Nacharbeit sollte sich lohnen, will man die Originalität beibehalten.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachmachen. 😄 

*Ich bin kein Musiker, kein Gitarrenbauer und kann zum Klang auch überhaupt keine Aussage treffen, ob und wie sich die E-Gitarre mit dem Replikat musikalisch verändert oder verhält. Ich bin einfach nur begeistert vom 3D Druck und den Möglichkeiten und hoffe mit diesem Beitrag Betroffenen eine Hilfe geben zu können. Also alles ohne Garantie!

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